Postdigitale Medienästhetik

Schriftenreihe Postdigitale Medienästhetik

Herausgegeben von Rolf F. Nohr und Markus Rautzenberg

Postdigitale Medienästhetik ist als Buchreihe im NOMOS-Verlag an der Schnittstelle von Medienwissenschaft und Philosophie konzipiert. Sie versammelt Beiträge, die digitale Medien nicht primär als technologische Innovationen oder abgeschlossene Mediensysteme beschreiben, sondern als ästhetisch, epistemisch und kulturell wirksame Bedingungen unserer Gegenwart.

Ausgangspunkt der Reihe ist die Überzeugung, dass es keine genuin „digitale“ Eigenlogik gibt, die sich allein aus technologischen oder prozessualen Strukturen ableiten ließe. Zwar verfügen digitale Medien über eine nicht zu unterschätzende materielle und operative Dimension – etwa in Gestalt von Code, Algorithmen, Interfaces, Datenformaten, Rauschen oder materiellen Infrastrukturen –, doch erschöpft sich ihre ästhetische Dimension nicht in diesen Elementen. Vielmehr entstehen mediale Formen und Wahrnehmungsweisen im Zusammenspiel heterogener Logiken: zeitlicher Regime wie Echtzeitlichkeit, Generativität, Loop-Strukturen oder Reaktivität; spezifischer Oberflächen- und Interface-Ästhetiken wie Dashboards, Monitoring, Wiederholung, Speicherung, Protokollen oder Gamification; sowie bestimmter Relationen zum Realen, etwa in Spannungen zwischen Berechnung und Abbildung, Simulation und Referenz, Modellierung und Erfahrung.

Der Begriff des Postdigitalen ist dabei ausdrücklich nicht in erster Linie im Sinne eines chronologischen „Danach“ zu verstehen. Analog zu Wendungen wie „postapokalyptisch“ oder „poststrukturalistisch“ bezeichnet „post“ hier einen Zustand, der sich vor dem Hintergrund einer inzwischen naturalisierten, allgegenwärtigen Digitalisierung entfaltet. Digitale Medien sind nicht länger „neu“, sondern tief in die Tektonik sozialer, ökologischer, ökonomischer und kultureller Zusammenhänge eingelassen. Gerade diese Selbstverständlichkeit des Digitalen – sein Verschwinden als Ereignis bei gleichzeitiger Omnipräsenz – bildet den kritischen Horizont der Reihe.

Besonderes Interesse gilt daher den Epistemologien des Prozessierens: jenen ästhetischen Hervorbringungen, die aus Logiken der Ursache-Wirkungs-Setzung, aus Entscheidbarkeits- und Steuerungsfantasien oder aus Wahrscheinlichkeitsökonomien entstehen. Das Algorithmische tritt hier nicht nur als Regelungs- und Steuerungsfunktion auf, sondern als übergreifende Formation der Diskurskonturierung. Datenapophänien, aus (oft desorientierenden) Vernetzungsarchitekturen sowie aus operationalisierten Formen von gamifizierter governance entstehen genauso wie Empfehlungssysteme, Reputationsmanagement und Aufmerksamkeitsökonomien. Gefragt wird mit einer postdigitalen Medienästhetik nicht nur, wie digitale Systeme funktionieren, sondern was sie sichtbar, sagbar und erfahrbar machen – und was sie zugleich ausblenden oder naturalisieren.

[Weitere Informationen und Bände folgen in Kürze.]