Spielförmiges Handeln bezeichnet eine Forschungsperspektive, die das Spiel nicht als isoliertes Phänomen begreift, sondern als eine kulturelle Handlungsform, die zunehmend in nicht-spielerische Kontexte eindringt. Ob in der Arbeitswelt, in der Politik, in der Wissenschaft oder im Alltag – spielförmige Strukturen, Logiken und Praktiken werden in immer mehr gesellschaftlichen Bereichen wirksam. Gamification, Serious Games und Planspiele sind nur die sichtbarsten Ausdrucksformen dieses Trends. Das Forschungsinteresse gilt den Bedingungen, Formen und Effekten dieser Verspieltheit – und der Frage, welche Subjekte, Wissensformen und Rationalitäten dabei hervorgebracht werden.
Computerspiele beispielswesie setzen Handeln explizit voraus – und doch fehlt den Game Studies bis heute eine ausgearbeitete Handlungstheorie. Das Forschungsprojekt schließt die Lücke und geht einen Schritt weiter: Spielförmiges Handeln ist nicht „von der Welt geschieden“. Es reicht weit über das Spiel im engeren Sinn hinaus – in Ökonomie, Planung, Lernen und Arbeit – und es handelt nicht allein der Mensch: Auch Algorithmen und KI-Systeme handeln spielförmig.
Ausgangspunkt ist das Computerspiel als exemplarischer Gegenstand einer postdigitalen Gegenwart, in der das Digitale nicht mehr neu ist, sondern selbstverständlich. Im Zentrum steht das Probehandeln, jene symbolische Praxis, in der Rationalitäten erprobt, eingeübt und stabilisiert werden. Entlang von Handlungsformen wie Konfigurieren, Testen, Entscheiden, Simulieren, Prognostizieren, Prozessieren, Lernen oder Arbeiten fragt das Projekt, wie sich Subjekte im Spiel Wissen aneignen – und wie sie dabei selbst konfiguriert, getestet und regiert werden.
Methodisch verbindet es Praxeologie und Diskursanalyse im Anschluss an Foucault. Es versteht sich als Beitrag zu einer Genealogie des Spielens, die das Spiel zuallererst als Machtanalytik begreift, und schlägt das spielförmige Handeln als Querschnittskategorie für eine neu ausgerichtete Spielwissenschaft vor. Das Projekt richtet sich an die Game Studies und die Medienwissenschaft, will aber auch über das Fach hinaus anschlussfähig sein.