Kulturtechnik Unternehmensplanspiel

Das Unternehmensplanspiel entsteht nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Kontext eines allgemeinen Wandels gesellschaftlicher Steuerungslogiken. Am Schnittpunkt von Unternehmensführung, Personalmanagement und sich verändernden ökonomischen Paradigmen materialisiert sich im UPS ein spezifischer Typs marktwirtschaftlicher Rationalität. In den ›Serious Games‹ der 1950er Jahren wurden Handlungssteuerung, Wissenstransformation sowie die Adaption an ein neues Medium (dem Computer) ›gespielt‹. Dieses Buch rekonstruiert die Konjunktur und Popularität des UPS in den 1950er bis 1970er Jahren in der Bundesrepublik und den USA. Die methodische Verbindung von diskursanalytischen, medienhistorischen, unternehmenshistorischen und spielanalytischen Zugriffsweisen im Hinblick auf eine materialorientierte Geschichte des Unternehmensplanspiels eröffnet neue Erkenntnisse über die Funktion des Spiels als Kulturtechnik fortgeschrittener Industriegesellschaften. Gleichzeitig leitet das Buch aber aus historischen Umbrüchen und Diskursen Ansätze zum Verständnis aktueller Konstellationen ab. Es etabliert einen Ansatz zur Beschreibung eines Dispositivs der Gamifikation und betont die Notwendigkeit des Handlungsbegriffs zum Verständnis seriöser und strategischer Spiele.

Projekthomepage

Ausgewählte Publikationen:

Rolf F. Nohr / Theo Röhle, »Schulen ohne zu schulmeistern«. Unternehmensplanspiele in den 1960er-Jahren, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe, 13 (2016), H. 1, URL: http://www.zeithistorische-forschungen.de/1-2016/id=5327, Druckausgabe: S. 38-60.